Wer eine dialogbasierende Anwendung mal mit etwas mehr Aufmerksamkeit debuggt oder analysiert wird feststellen, dass der Returncode der Anwendung irgendwie ziemlich zufällig ist. Beobachtet man dies genauer dann stellt man folgendes fest:

  • Beendet man die Anwendung mit der Maus (Klick auf X) oder OK/Cancel so ist der Returncode 0
  • Hält man die Strg-Taste beim Klick fest ist der Returncode 8
  • Beendet man die Anwendung mit Alt+F4 bekommen wir 2.
  • Und jedermann kann jetzt schon mal raten was passiert, wenn wir die Umschalttaste festhalten. Genau dann bekommen wir 4 als Returncode.

Die Mystik hinter dem Ganzen ist die Behandlung von (Afx)PostQuitMessage. Eigentlich sollte mit dieser Nachricht auch der Exitcode gesetzt werden, der mit WM_QUIT versendet wird. Und wenn eben bei einer MDI/SDI Anwendung alles normal läuft, dann ist diese Nachricht die letzte, die aus der Messsagequeue gezogen wird. Und was passiert in CWinApp::ExitInstance? Genau… aus dem statischen Thread Puffer für die Windowsnachrichten wird mit  AfxGetCurrentMessage die letzte Windowsnachricht (normalerweise WM_QUIT) geholt und der wParam Wert bestimmt. Dieser wird dann zurückgegeben.

Leider ist aber WM_QUIT in manchen Fällen aber nicht die letzte Nachricht, die zum Beenden eines Programms führt. Ganz besonders eben nicht bei einer dialogbasierenden MFC-Anwendung. Da ist die letzte Nachricht ist dann eben ein WM_COMMAND oder ein WM_LBUTTONUP der das Schließen der Anwendung auslöst ❗ Und der wParam Wert ist eben entsprechend dieser Nachricht belegt!

Gleiches passiert natürlich, wenn man nach dem Beenden der Messageloop noch andere interne Fenster zerstört. Auch in diesem Fall kann noch mal die interne AfxWndProc durchlaufen werden und dann wird der Returncode auch wieder verändert.

Wer also wirklich Wert auf den Returncode legt (im wahrsten Sinne des Wortes), der sollte sich nie auf den Wert verlassen, der durch CWinApp::ExitInstance zurückgegeben wird oder den Wert, den man selbst mit AfxPostQuitMessage evtl. versucht zu setzen. Eine Variable in CWinApp tut hier einen besseren Dienst. Ebenfalls sollte man ExitInstance überschreiben und immer 0 zurückgeben, wenn man sowieso keine Verwendung für den Returncode des Prozesses hat oder haben möchte.

BTW:
Die Geschichte, wie ich darauf gekommen bin ist schon eigentümlich genug.
Ich habe komplexere Batch-Dateien, die die gesamte Erstellung einer produktiv-Version regelt. Darin kommen im Problemfall auch ein paar Userinteraktionen vor. Diese werden durch Windows Anwendungen ausgelöst, die evtl. einen Dialog anzeigen. Jedem ist klar, dass ohne Dialog und ohne Fenster keine Nachricht abgearbeitet wird. Der Returncode ist also 0! Der Batch verwendet 4NT Syntax und dort kann man ON ERROR definieren und somit sofort eine Fehlerbehandlung auslösen, wenn der Returncode eines Programms nicht 0 ist.
Nun kann sich jeder schon denken was passiert ist. Die Userinteraktion wurde ausgelöst. Der Benutzer machte eine Angabe und… der Batch terminierte erstaunlicherweise mit einem Fehler… (s.o.)