Tipps & Tricks: VS-2010 Hilfe aufbohren

Microsoft ist es wirklich gelungen in zwei großen Schritten die VisualStudio Online Hilfe bzw. MSDN Integration von einem brauchbaren Tool in VC6, über VS-2003/5/8 wo es gerade auszuhalten war, in VS-2010 zu einem Ding zu verwandeln, bei dem mir fast die Worte fehlen.
Man schmeiße alle Funktionen des Hilfe-Viewers weg und behalte gerade die F1-Taste… alle Vorteile, die mir als Vorteile verkauft werden (keine separate Installation, alles im gewohnten Browser etc. siehe Video unten), sehe ich nicht als Vorteile gegenüber den Nachteilen, die in Kauf genommen wurden.
Ein vielleicht hartes Urteil, aber es geht seit Jahren in dieser Beziehung leider nur bergab.
– Just my 2 cents – 🙁

Das Erste was ich sofort vermisst habe war in der folgenden Reihenfolge:

  1. Dynamic Help
  2. Table of contents (TOC)
  3. Sync to TOC
  4. Index
  5. Filter
  6. Direkte Suche in VS, oder dem entsprechenden Viewer

Ich bin dann auf im Internet auf die Suche gegangen und wurde mit 2 Tools fündig, die einem hier helfen können:

HelpViewerKeywordIndex

Aber wie angekündigt soll es auch hier Verbesserungen geben. Und das außerhalb der Wartungszyklen des VS (siehe Video unten mit Ryan Linton). Zumindest was den Index betrifft und die Suchmöglichkeit innerhalb von VS betrifft schafft ein kleines Tool von Ryan Linton (wie versprochen seit dem 20.04.) wenigstens etwas Abhilfe, der HelpViewerKeywordIndex.

Mit diesem Tool erhält man zumindest mal wieder den Index und ein Suchfenster in VS.
Auch dass das Sucherergebnis in einen VS-Fenster angezeigt werden kann ist nett. Leider betrifft diese Einstellung nicht die Funktion der F1-Taste. In diesem Fall wird immer noch der externe Browser angeworfen und nicht der interne, oder ich habe die Einstellung nicht gefunden wo man mit der F1-Taste ein Browser Fenster in VS öffnet.
Ganz verstanden habe ich auch die Option „Display TOC in page“ nicht.
Das Tool ist zumindest mal ein kleiner Schimmer eines eventuellen zukünftigen Lichtblicks 😉

Aber wer weiß, vielleicht lässt Version 1.1 von  HelpViewerKeywordIndex nicht lange auf sich warten.

H3Viewer

Mit H3Viewer, von meinem MVP-Kollegen Rob Chandler, bekommt man zumindest mal wieder das, was man in VS-2008 auch hatte. Table of Contents, Sync to contents. Und der Viewer ist nicht im Browser. Mit dem Ding lässt sich leben oder zumindest ersetzt es den Viewer den wir aus VS-2005/8 kannten ziemlich gut. Und ja, es gibt auch hier wieder Bookmarks, die jetzt keine Favoriten Einträge im Browser sein müssen 😉
Besonders gefreut habe ich mich auch über die Funktion im Index die Doubletten zum gleichen Stichwort im Index in einem separaten Fenster wieder angezeigt zu bekommen, denn nicht jeder Treffer zu GetWindowtext ist der den ich suche.
Nett auch die TTS Funktion (Text to Speech)
Hier fehlen jetzt eigentlich nur noch die Filter zum vollständigen Glück.

Aber wer weiß, was Microsoft uns demnächst noch zu bieten hat. Laut der Homepage von H3Viewer hat Microsoft noch bereits einige andere Viewer in der Schublade.

Siehe auch:
http://channel9.msdn.com/posts/kmcgrath/Help-30-New-Help-System-in-Visual-Studio-2010/

Links:
http://visualstudiogallery.msdn.microsoft.com/en-us/4af86641-a302-4edf-9853-007bcc670b30
http://mshcmigrate.helpmvp.com/viewer

SELECT … FROM … WHERE … NOT IN (…) Mystik

Wieder mal ein ganz normaler Wahnsinn, der einen Stunden gekostet hat…

Wenn wir uns die nachfolgenden SQL Statements ansehen, dann würde ich davon ausgehen, dass die ersten 6 eine Ausgabe erzeugen.

SELECT 'Test 1' WHERE 1 IN (NULL, 1, 2, 3, 4)
SELECT 'Test 2' WHERE 1 IN (1, 2, 3, 4)
SELECT 'Test 3' WHERE 1 NOT IN (NULL, 2, 3, 4) -- !!!
SELECT 'Test 4' WHERE 1 NOT IN (2, 3, 4)
SELECT 'Test 5' WHERE NOT (1 IN (NULL, 2, 3, 4)) -- !!!
SELECT 'Test 6' WHERE NOT (1 IN (2, 3, 4))
-- Empty as expected
SELECT 'Test 5' WHERE 1 IN (NULL, 2, 3, 4)
SELECT 'Test 6' WHERE 1 IN (2, 3, 4)

Aber ❗ Pustekuchen ❗
Die Zeilen 3 und 5 erzeugen keine Ausgabe ❗Dadurch, dass in dem Ausdruck in der Klammer NULL enthalten ist funktioniert der NOT IN Test nicht mehr korrekt.

Ich bin darauf gestoßen, weil ich ein Subquery durchgeführthabe und mit NOT IN prüfen wollte, dass ein bestimmter Wert eben nicht in diesem Subquery enthalten ist. Einziges Problem war, dass in einigen Fällen dieser Subquery eben auch NULL als Ergebnis geliefert hat. 
Und genau in diesem Fall funktionierte die Abfrage nicht korrekt (s.o.). Das sah vereinfacht in etwas so aus:

SELECT [ID] FROM [Table1]
    WHERE [SomeData] NOT IN
        (SELECT [OtherIDWithNULL] FROM [Table2])

Ich habe den Subquery dann entsprechende um ein WHERE … IS NOT NULL erweitert und siehe da es ging:

SELECT [ID] FROM [Table1]
    WHERE [SomeData] NOT IN
        (SELECT [OtherIDWithNULL] FROM [Table2]
            WHERE [OtherIDWithNULL] IS NOT NULL)

Rein gefühlt ist das für mich ein Bug, aber es ist keiner ❗
Hier kommt eine Einstellung zum tragen, die sich ANSI_NULL schimpft. (siehe SET ANSI_NULL { ON | OFF })

ANSI_NULL ist im Allgemeinen ON, und das bedeutet, dass ein Vergleich eines Wertes mit NULL immer undefiniert ist. Das ein IN-Statement aber nichts anderes ist als ein Vergleich der einzelnen Werte in der Klammer mit dem Zielwert, führt dies hier zu einem irritierenden Ergebnis. NULL=NULL und 1=NULL ist eben undefiniert und nicht False wenn ANSI_NULL ON ist! Also können die Zeilen 3+5 kein korrektes Ergebnis liefern.
Man beachte: Dies hat keinen Einfluß solange man IN verwendet und nicht NOT IN!

Meine rein persönliche Meinung:
Ich habe selten solch einen Unsinn in einem ANSI-Standard gesehen. Einfach Unlogisch ❗
Für mich ist NULL=NULL und NULL<>AnyThingElse eben True… Just my 2 cents…

Jetzt könnte man meinen, dass es also auch eine Lösung wäre SET_ANSI_NULL OFF zu verwenden ❗ (BTW: Eine Einstellung die auch als Attribut direkt auf der Datenbank selbst gesetzt werden kann). Aber der folgende Hinweis in der Doku sollte einen zum Umdenken bewegen:

Wichtig:
In einer späteren Version von SQL Server wird ANSI_NULLS immer auf ON festgelegt, und jede Anwendung, die für die Option explizit OFF festlegt, löst einen Fehler aus. Verwenden Sie dieses Feature beim Entwickeln neuer Anwendungen nicht, und planen Sie eine Änderung von Anwendungen, in denen es zurzeit verwendet wird.

Da dies also evtl. Einfluss auf andere Codebereiche haben könnte und zukünftig nicht mehr unterstützt wird habe ich auf diese Nutzung verzichtet und lieber das Subquery abgeändert.

PS: Bitte jetzt nicht darauf hinweisen, dass es auch JOIN gibt. Aufgrund der Komplexität der Abfrage und weil diese auch noch nach bestimmten Bedingungen gebaut wurde, war ein IN mit einem Subquery, der einfachere Weg.

Achtung: Die festen Mapping Modes des GDI basieren nicht auf LOGPIXELSX und LOGPIXELSY!

Jeder der mit Fontgrößen und Darstellungsgrößen herumspielt, oder wer selber in Fenstern zeichnet kennt LOGPIXELSX und LOGPIXELSY, die durch GetDevCaps geliefert werden. Diese Werte dienen auch CFont::CreatePointFont und anderen Funktionen bei der Umrechnung von „realen“ Maßen auf die Devicepoints, die man dann benötigt. Alles kein Hexenwerk und überall im Netz beschrieben.
Auf diesem Weg kann man mit etwas MulDiv Arithmetik schnell umrechnen wie viele Punkte man benötigt um etwas von 10mm Größe auf einem Device darzustellen.

Der nachfolgende Code wandelt Einheiten von 1mm entsprechend der Auflösung eines Devices in Pixel um.

pDC->SetMapMode(MM_TEXT);
// Convert mm to with LOGPIXELSX
CSize sizeLogPixel(pDC->GetDeviceCaps(LOGPIXELSX),
            pDC->GetDeviceCaps(LOGPIXELSY));
rect.top = ::MulDiv(rect.top,sizeLogPixel.cy*10,254);
rect.bottom = ::MulDiv(rect.bottom,sizeLogPixel.cy*10,254);
rect.left = ::MulDiv(rect.left,sizeLogPixel.cx*10,254);
rect.right = ::MulDiv(rect.right,sizeLogPixel.cx*10,254);

Die Auflösung von 0,1mm je Einheit ist die Metrik des Mappingmodes MM_LOMETRIC. Man sollte also meinen, dass die Verwendung von MM_LOMETRIC mit einem Faktor 10, der obigen Umrechnung gleich kommt.

pDC->SetMapMode(MM_LOMETRIC);
// Convert mm to 0.1mm
rect.top *= -10;
rect.bottom *= -10;
rect.left *= 10;
rect.right *= 10;

Probiert man dies aus, so stellt man überrascht fest, dass die Größen nicht übereinstimmen.
Der Dokumentation nach müsste man es aber denken.

Mit einem bisschen experimentieren bin ich letztlich auf den Grund gekommen.
Keiner der Mappingmodes MM_LOENGLISH, MM_HIENGLICH, MM_LOMETRIC oder MM_HIMETRIC verwendet LOGPIXELSX oder LOGPIXELSY. Diese Mappingmodes verwenden die Werte HORZRES und VERTRES in dem Viewport-Extent und die Werte HORZSIZE und VERTSIZE im Window-Extent.

D.h. der Viewport-Extent bekommt die Größe des Bildschirmes in Pixeln zugewiesen und das Window-Extent bekommt die Größe des Devices in mm zugewiesen. Nun ist diese Größe (HORZSIZE/VERTSIZE) bei Bildschirmen nicht die reale Größe sondern eine Größe, die der Hersteller festlegt. (Anmerkung: Bei Druckern stimmt dieser Wert)

Nun wäre noch alles OK, wenn sich aus den Werten von VERT/HORZSIZE und VERT/HORZRES nun der Quotient LOGPIXELSX/SY ermitteln ließe. Das ist aber nicht der Fall! LOGPIXELSX/SY sind Skalierungswerte die bei Bildschirmen unabhängig von der realen Auflösung angegeben werden und die z.B. dazu Dienen Schriftgrößen grundsätzlich größer oder kleiner anzeigen zu lassen (siehe auch High DPI Mode).

Die Konsequenz daraus ist, dass die Mappingmodes ein relativ exotisches Einzelleben führen, weil die meisten Entwickler eben korrekterweise auf LOGPIXELSX/SY zurückgreifen. Noch mal sei hier bemerkt, dass für Drucker DCs hier in mir bekannten Fällen kein Unterschied existiert und auch das ist gut so.

Die Lösung die sich anbietet, ist nicht weiter schwierig und sie auch der Grund warum ich erst jetzt auf diesen gesamten Umstand gestoßen bin. Ich habe niemals die MM_LO…/MM_HI… Mappingmodes verwendet. Entweder pur MM_TEXT und wenn ich was anderes benötigt habe einfach MM_ANISOTROPIC, und in der entsprechenden Skalierung habe ich dann meistens die Werte aus LOGPIXELSX/SY verwendet. Also musste es passen.

MM_ANISOTROPIC ist sowieso der Mappingmode der Wahl, wenn es um skalierbare Darstellungen und Zoomfaktoren geht, aber dazu vielleicht mehr in einem Artikel demnächst.

Ich habe ein kleines MFC-Programm gebaut (MappingModeTest), dass diese Konflikte aufzeigt. Ich zeichne dort ein Rechteck auf den Koordinaten 20mm,10mm mit der Größe 60mm,40mm. Damit die verschiedenen Rechtecke alle sichtbar werden verwende ich immer einen Versatz von 1mm und zeichne die Rechtecke in unterschiedlichen Farben.
In der Debugausgabe kann man wunderschön sehen wie Extents mit den Werten aus GetDeviceCaps zusammenhängen.

Dieser Artikel basiert auf zwei Anfragen in microsoft.public.de.vc die dieses unterschiedliche Verhalten aufzeigten und diskutieren:
http://groups.google.de/group/microsoft.public.de.vc/browse_thread/thread/23467a5e95051291/7c66c01b8295eaab
http://groups.google.de/group/microsoft.public.de.vc/browse_thread/thread/201719d23a411256/17b41c09844bf105

VS-2010 steht für MSDN Abonnenten sofort zum Download zur Verfügung

Jetzt wird es ernst 😉
Pünktlich wie angekündigt ist VS-2010 RTM in englisch für MSDN Benutzer verfügbar:
http://msdn.microsoft.com/en-us/subscriptions/downloads/default.aspx?pv=18:370

Die entsprechende Trial Versionen können sofort herunter geladen werden:
http://www.microsoft.com/visualstudio/en-us/download

Auch eine Express Version von VC-2010 ist bereits verfügbar:
http://www.microsoft.com/express/Downloads/

Laut Microsoft sollen Übersetzungen in andere Sprachen noch bis Ende diesen Monates auch zur Verfügung stehen.

Mal einen ganz anderen Blick auf seinen Code werfen mit CppDepend

Vor einiger Zeit habe ich versucht mit einem anderen Werkzeug mal den eigenen Code zu analysieren.
Ich habe CppDepend entdeckt.  http://www.cppdepend.com/

Gerade bei großen Projekten kann man schnell den Überblick verlieren und es ist schwierig die abhängigen Klassen und Objekte in Ihren Verbindungen zu sehen oder mögliche Designprobleme nachträglich festzustellen. Oder den richtigen Ansatzpunkt für Reviews zu finden. Man hat manchmal das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, aber man weiß oft nicht genau was.

CppDepend kann helfen schlecht konstruierte Klassen zu finden, Fehler in den Namenskonfentionen oder der Dokumentation und gezielter auf notwendige Reviews hinzuweisen.
Durch eine eigene Abfragesprache ist es extrem einfach große unübersichtliche Funktionen zu finden. Klassen mit zyklischen Abhängigkeiten und extreme Vererbungstiefen aufzuspüren. Besonders einfach wird es zum Beispiel auch Namenskonventionen zu überprüfen. Die eigene Codebase wird durch die Abfragesprache analysierbar.

Ich empfand die graphischen Darstellungen der eigenen Codebasis und die Ergebnisse der Abfragen in diesen Grafiken als extrem anschaulich und nützlich. Weitaus mehr als manche tabellarische Analyse meines Codes.

Einen guten Einblick was hier möglich ist liefern die Case-Studies. Wie zum Beispiel die Analyse der MFC 8.0 (VC-2005) http://www.cppdepend.com/MFC.aspx. Man kann die MFC sicherlich nicht als Glanzstück des OOP bezeichnen, umso mehr ist es mal interessant mit diesem Tool einen Blick auf die MFC zu werfen. Wem das nicht anschaulich genug ist kann sollte sich auch die anderen Case-Studies mal ansehen. Oder noch besser die Software 2 Wochen testen.

Ein gutes Tool, aber leider nicht ganz billig, aber in jedem Fall mal einen Blick wert.