Debugging


DebuggingMFCProgrammierenVS 2008VS 2010VS-Tipps&TricksWindows APIMartin Richter - So 09 Aug 2009 18:50

Wer wollte nicht schon immer mal gerne TRACE (Debug)-Ausgaben in seinem Release Programm haben ohne dafür überall OutputDebugString reinschreiben zu müssen.

Die nachfolgene kleine Klasse macht es möglich, den gewohnten Syntax des MFC TRACE Makros zu verwenden und direkt auf die Debugausgabe umzuleiten:

//    CTraceToOutputDebugString
//        Is a nice replacment class for TRACE
//        Easy to use with:
//            #undef TRACE
//            #define TRACE    CTraceToOutputDebugString()
 
class CTraceToOutputDebugString
{
public:
    // Non Unicode output helper
    void operator()(PCSTR pszFormat, ...)
    {
        va_list ptr;
        va_start(ptr, pszFormat);
        TraceV(pszFormat,ptr);
        va_end(ptr);
    }
 
    // Unicode output helper
    void operator()(PCWSTR pszFormat, ...)
    {
        va_list ptr;
        va_start(ptr, pszFormat);
        TraceV(pszFormat,ptr);
        va_end(ptr);
    }
 
private:
    // Non Unicode output helper
    void TraceV(PCSTR pszFormat, va_list args)
    {
        // Format the output buffer
        char szBuffer[1024];
        _vsnprintf(szBuffer, _countof(szBuffer), pszFormat, args);
        OutputDebugStringA(szBuffer);
    }
 
    // Unicode output helper
    void TraceV(PCWSTR pszFormat, va_list args)
    {
        wchar_t szBuffer[1024];
        _vsnwprintf(szBuffer, _countof(szBuffer), pszFormat, args);
        OutputDebugStringW(szBuffer);
    }
};

Durch den obenstehenden Code kann man auch in einer Release Version Trace Ausgaben erzeugen und z.B. mit DebugView.exe (Sysinternals) sichtbar machen, ohne evtl. weitere Anpassungen vornehmen zu müssen:

// Activate my special tracer
#undef TRACE
#define TRACE    CTraceToOutputDebugString()
 
void Foo()
{
     // Sometime usefull to see the output in a release version too
     TRACE(__FUNCTION__ " called at %d\n", GetTickCount());
}
DebuggingProgrammierenVistaVista / Windows 7Windows APIMartin Richter - Sa 11 Jul 2009 09:54

Am 17. Januar habe ich den folgenden Artikel geschrieben: DrawText unter Vista gegenüber XP um bis zu Faktor 50 langsamer!

Ich möchte Euch die Auflösung des Problems nicht vorenthalten.

Eigentlich ist es keine Lösung sondern nur der Fakt, dass auch XP unter gleichen Bedingungen genauso lahm ist wie Vista.
Es liegt an den erweiterten Spracheinstellungen, die unter XP optional sind aber eben nicht mehr unter Vista. Dort sind die immer mit installiert.

So sieht das ganze bei einer normalen XP Installation aus, mit der entsprechenden Performance:
XP-DrawText-Fast

Man kann sehen, dass die zwei unteren Checkboxen aus sind. Wenn man diese nun einschaltet und die entsprechenden Module nachinstalliert werden, dann erlebt man unter XP nach einem Neustart die selben Geschwindigkeitseinbruch wie unter Vista:
XP-DrawText-Slow

Mein Testprogramm läuft fast 50mal langsamer als bei der Standardinstallation und damit genauso schnell/lahm wie unter Vista. Nimmt man die zwei Checks wieder heraus, dann hat man den alten gewohnten Speed.

Wenn man unter Vista in den entsprechenden Dialog der Systemeinstellung sieht, kann man auch sehen, dass man hier nichts mehr beschleunigen kann durch eine eventuelle Deinstallation, denn offensichtlich gehören diese Bestandteile bei Vista zum Inventar:
Vista-DrawText-Slow

So und damit ist auch diese Supportanfrage bei Microsoft “ungelöst”, aber zumindest “erklärt” geschlossen.

Ich frage mich dennoch warum eine solche EInstellung solche Auswirkungen haben muss. Letzten Endes sind das auch nur Fonts mit denen umgegangen werden muss. Ich finde diesen extremen Unterschied auffällig, allerdings wird sich vermutlich nichts daran ändern…

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Juli und verziehe mich jetzt erstmal für die nächsten 2 1/2 Wochen ohne Laptop und PC an die Nordsee, zum Radfahren, Baden und Drachen steigen lassen… ;)

C++DebuggingProgrammierenWindows APIMartin Richter - Do 18 Jun 2009 19:46

Wer unter Windows XP angefangen die FaultRep.dll für Crash-Reports zu verwenden, wird unter Vista eine üble Erfahrung machen. Entgegen der Dokumentation kehrt ReportFault unter Vista nicht zurück.

Das ist besonders lästig, wenn man nach dem Melden des Fehlers aufgrund des Feedbacks des Kunden noch selber Aktivitäten in der eigenen Software vorgesehen hatte.

Wieder ein Fall wo es schwierig ist zwischen verschiedenen Windows-Betriebssystemen kompatibel zu bleiben. Da hat man sich auf Windows XP eingelassen und unter Vista ist das entsprechende Interface schon wieder deprecated.

C++CRTDebuggingMFCProgrammierenMartin Richter - So 07 Jun 2009 12:08

Ich verwende gerne ASSERT’s in meinem Code.
Sie sind ein wirksames Mittel Zustände abzufragen und bereist in der Testphase unzulässige Konstellationen oder Funktionsaufrufe zu entdecken.

Nun gibt es ja auch if, else oder switch Blöcke an denen das Programm normalerweise nicht vorbei kommen sollte. So eine Stelle versieht man dann schon mal mit einem

_ASSERT( FALSE );
// oder wer die MFC benutzt eben ASSERT,
// obwohl dies auch nur ein Synonym für den CRT _ASSERT makro ist
ASSERT(FALSE);

Jetzt müsste man noch einen Kommentar davor setzen, damit klar wird was hier schief läuft. Man kann das Ganze aber auch einfach kombinieren und noch einen Zusatznutzen erreichen indem man den etwas unbekannteren Makro _ASSERTE verwendet:

_ASSERTE( !"MyFuncFooHandler: This is not allowed in my special Foo Handler" );

Die Negation macht aus dem Zeiger auf den konstanten String FALSE, und damit schlägt der ASSERT an.
Wenn man jetzt wie hier gezeigt noch den _ASSERTE Makro verwendet, dann wird diese Expression, also der Text, sofort mit anzeigt. Man sieht dann sofort was das Problem ist sobald der ASSERT Dialog angezeigt wird.

C++DebuggingProgrammierenWindows APIMartin Richter - Do 05 Mrz 2009 20:14

Manche Codezeilen schreibt man ja einfach im Schlaf so in etwa wie diesen hier

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static const OSVERSIONINFO &GetOSVersionInfo()
{
 static OSVERSIONINFO osVersionInfo;
 if (osVersionInfo.dwOSVersionInfoSize==0)
 {
  osVersionInfo.dwOSVersionInfoSize = sizeof(osVersionInfo);
  ::GetVersionEx(&osVersionInfo);
 }
 // return pointer to struct
 return osVersionInfo;
}
 
bool OSIsWinXP()
{
 // Check if OS is XP or later
 const OSVERSIONINFO &osvi= GetOSVersionInfo();
 return (osvi.dwPlatformId & VER_PLATFORM_WIN32_NT)!=0 &&
     osvi.dwMajorVersion>=5 &&
     osvi.dwMinorVersion>=1;
}

Der Sinn und Zweck ist eindeutig. Ich benötige diese Funktion um zu Testen ob Windows XP oder ein späteres OS wie Vista oder Windows 7 installiert ist. Dumm nur das dieser Code dämlich falsch ist.
Die Betriebssysteme haben die folgenden internen Versionsnummern
5.0 – Windows 2000
5.1 – Windows XP
5.2 – Windows Server 2003
6.0 – Windows Vista
6.1 – Windows 7 (Anmerkung: idotisch, dass hier nicht 7.0 verwendet wird)

Als ich den Code schrieb war Windows XP gerade draußen und selbst Windows Server 2003 gerade am Horizont. Dämlicherweise schrieb ich in dem Test osvi.dwMajorVersion>=5 && osvi.dwMinorVersion>=1.
ohne natürlich daran zu denken, dass ein späteres OS wieder mit einer 0 als minor Version kommen könnte.
Dadurch ergibt sich natürlich das der Test für alle Betriebssysteme nach Windows XP funktioniert nur nicht für Windows Vista  weil eben die Minor Version hier 0 ist. Ich war drauf und dran mal wieder einen Bug einzureichen bis mir schlagartig klar war, dass nicht Vista einen Fehler hat sondern mein eigener Code.

Der korrekte Test muss natürlich so lauten:

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bool OSIsWinXP()
{
 // Check if OS is XP or later
 const OSVERSIONINFO &osvi= GetOSVersionInfo();
 return (osvi.dwPlatformId & VER_PLATFORM_WIN32_NT)!=0 &&
   (osvi.dwMajorVersion>5 ||    // May be vista or later
       (osvi.dwMajorVersion==5 &&    // that's XP
        osvi.dwMinorVersion>=1));
}

Code wie im Schlaf zu schreiben bringt es manchmal eben nicht. ;)

DebuggingProgrammierenSoftwareVistaVista / Windows 7Martin Richter - Sa 17 Jan 2009 10:32

:!: Ja Ihr habt ganz richtig gelesen und ich irre mich nicht :!:

Wir haben in einem unserer C++/MFC Programmen eine komplexe Anzeige von Reports, die alle unterschiedliche Zeilenhöhe haben und in einem speziellen Fenster angezeigt werden (eigene Entwicklung).
Nun stellten wir fest, dass das Rollen in diesem Programmteil auf Vista-Rechnern mit viel Nachlauf funktionierte und auch einige andere Operationen länger als gewohnt dauerten. Bei meinem Suchen, Profilen und Testen kam ich auf ein sehr lahmes Abarbeiten der Funktion DrawText  mit DT_CALCRECT.

Um das Problem zu isolieren schrieb ich ein kleines Testprogramm, das erstaunliches zu Tage brachte.
Hier die Ergebnisse von 4 verschiedenen Rechnern (Durchlauf von 100×100 DrawText Calls):

  • Pentium Quad-Core Q8200 mit Vista: 48.111 msec
  • Pentium Core2Duo T2310 mit Vista: 78.953 msec
  • Pentium Dual Core 3,2Ghz mit XP: 1.516 msec
  • Alter Pentium 3,0Ghz HT mit XP: 1.922 msec

:shock: Der Code ist teilweise um den Faktor 50 langsamer auf Windows-Vista im Vergleich zu Windows-XP :!:

Wer Lust hat es selbst zu testen, der findet hier das Beispielprogramm im Sourcecode (VS-2005):  TestDrawText.zip
Wer das Programm als Exe möchte findet es hier: TestDrawTextExe.zip

Beschreibung:
Dieses Beispielprogramm führt gemäß einem angegebenen Zähler je 100mal DrawText mit DT_CALCRECT für einen längeren mehrzeiligen Text aus. Hierbei werden immer zufällige Textlängen verwendet. Der Algorithmus liefert jedoch immer die gleiche Zufallssequenz, damit der Test auch Vergleichbar bleibt.
Der Zufallsmechanismus wurde nur eingebaut, um für für meinen Fall realitätsnahe Daten zu liefern.

Anmerkung:
Eine entsprechende Supportanfrage bei Microsoft läuft :!:
Was dabei herauskommt werde ich berichten…

Zuletzt angemerkt:
Windows 7 soll ja schneller sein als Windows Vista. Wer weiß? Ich habe es noch nicht getestet.
Vieleicht haben die nur diesen Bug gefixed und einen gigantischen Performanceschub erhalten :mrgreen: … SCNR…

Nachtrag (11.07.2009): 
Die Auiflösung zu diesem Problem findet sich hier in diesem Artikel 
http://blog.m-ri.de/index.php/2009/07/11/ausloesung-drawtext-unter-vista-gegenueber-xp-um-bis-zu-faktor-50-langsamer/

C++DebuggingIDEProgrammierenVS 2008Martin Richter - Do 04 Dez 2008 19:37

Da schreibe ich einen netten Artikel über Remote Debugging und schon geht es doch nicht so einfach wie ich schreibe.

Manch ein Entwickler wird von der folgenden Nachricht begrüßt, wenn er MSVSMON.EXE startet:

Visual Studio Remote Debugging Monitor will not be able to debug applications because the ‘Network access: Sharing and security model for local accounts’ local security policy option is set to ‘Guest only – local users authenticate as Guest’. This can be configured with the ‘Local Security Settings’ administration tool.
Do you want to continue?    (Use /noguestonlywarn to suppress this warning)

Nun auch keine Tragik. Dann kommen wir aber um einen Neustart nach Änderungen der Lokalen Richtlinien nicht herum. Aber man muss erst mal wissen was mit dieser Meldung gemeint ist, wenn man ein deutsches OS benutzt:

  1. Systemsteuerung starten.
  2. Leistung und Wartung -> Verwaltung -> Lokale Sicherheitsrichtlinie
  3. In den Lokalen Sichereinstellungen auf
    Lokale Richlinien -> Sicherheitsoptionen
  4. Dort dann Netzwerkzugriff: Modell für gemeinsame Nutzung und Sicherheitsmodell für lokale Knoten auswählen.
  5. Umstellen auf: Klassisch – lokale Benutzer authentifizieren sich als sie selbst
  6. Reboot

HTH
Siehe auch:
How to: Set Up Remote Debugging
How to debug on computers that are running Windows XP and that are in the same Workgroup in Visual Studio .NET or in Visual Studio 2005

C++CRTDebuggingProgrammierenWindows APIMartin Richter - Do 27 Nov 2008 19:20

In meine ersten Artikeln über Heap-Bugs habe ich bereits erwähnt, dass die CRT aber auch Windows selbst Speicher unter bestimmten Umständen vorbelegt bzw. beim Freigeben des Speichers mit einem festen Wert löscht.

Für einen Entwickler ist es gut zu wissen welche Werte durch wen gesetzt werden. Zudem erleichtert einem dieses Wissen auch das Debuggen und die Identifikation von Problemen im Zusammenhang mit dem Heap, deshalb habe ich hier mal diese Magic-Bytes, die von Microsoft verwendet werden hier zusammengetragen.

Würde man im Debugger zum Beispiel eine Variable mit dem Wert 0xCCCCCCCC entdecken, dann ist davon auszugehen, dass man diese Variable auf dem Stack nicht initialisiert hat.

  • 0xABABABAB
    Wird von HeapAlloc als Wert für die Guard Bytes (“no man’s land”) vor und hinter Speicherblöcken verwendet.
  • 0xBAADF00D
    Wird von LocalAlloc(LMEM_FIXED) verwendet um nicht nicht initialisierten Speicher im Heap zu kennzeichnen.
  • 0xCCCCCCCC
    Wird von der Debug-CRT verwendet um nicht initialisierten Stack zu kennzeichnen.
  • 0xCDCDCDCD
    Wird von der Debug-CRT verwendet um nicht initialisierten Speicher im Heap zu kennzeichnen.
  • 0xDDDDDDDD
    Wird von der Debug-CRT verwendet um freigegebenen Speicher im Heap zu kennzeichnen.
  • 0xFDFDFDFD
    Wird von vom Debug-Heap verwendet für Guard Bytes (“no man’s land”), vor und hinter Speicherblöcken.
  • 0xFEEEFEEE
    Wird von HeapFree() verwendet um freigegebenen Speicher zu kennzeichnen.

Siehe auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Magic_number_(programming)

C++DebuggingIDEProgrammierenVS 2008Martin Richter - Sa 22 Nov 2008 18:40

Vor Jahren habe ich dazu bereits mal einen Artikel für VC6 veröffentlicht: Remote Debugging for Dummies! BTW: Es war überhaupt mein erster Artikel!
Also Zeit für ein kleines Upgrade.
Anmerkung: Mir geht es hier nur um natives Debuggen von C++ (also unmanaged Code), wen wird es wundern ? ;)

Für mich das ultimative Mittel der Qualitätssicherung und die beste Waffe für die Jagd auf den gemeinen Software-Bug ist und bleibt Remote Debugging.

Remote Debugging ist seit es Visual Studio 2002 gibt so einfach geworden wie noch nie. Und seit es Visual Studio 2005 ist es noch einen Tick einfacher geworden. Einziger Wermuthstropfen: Remote Debugging ist erst ab der Professional Version verfügbar.
Um so erstaunlicher wie wenig Entwickler dieses Werkzeug einsetzen.

Nehmen wir einfach mal den Fall, wir haben auf einer Maschine einen Crash, oder wir haben einen Zustand, den wir sofort Debuggen wollen. Geht das On-the-fly?

JA :!:

Wenn die Rechner in einer Domäne sind, gibt es meistens gar keine Probleme und man kann einfach wie folgt vorgehen. 

  1. Wir kopieren die Datei MSVSMON.EXE auf den Rechner auf dem wir Debuggen wollen:
    “C:\Program Files\Microsoft Visual Studio 9.0\Common7\IDE\Remote Debugger\x86\msvsmon.exe”
    Ja! Erstaunlich, mehr ist nicht notwendig.
  2. Beim ersten Start erhalten wir eine Warnung, dass wir die Firewall von XP SP2 oder Vista noch freischalten müssen. Gesagt getan.
  3. Nun wählen wir einfach die schnelle etwas unsichere Methode:
    Menü Tools -> Options
    In dem entsprechenden Dialog, wählen wir nun einfach:
    No Authentication (native only)
    Allow any user to Debug
    Port 4015 bleibt unverändert.
    Am Besten jetzt noch die Maximum idle time (seconds) von 900 auf was Brauchbares hoch setzen, sonst wird die Session einfach beendet nach 15 Minuten.
  4. Ja :!: Das wars. Nun einfach im Visual Studio Tools -> Attach to Process wählen (Strg+Alt+P)
    Transport: Remote (Native only with no authentication)
    Qualifier: <Name des PCs den es zu debuggen gilt, oder IP-Adresse>
    Refresh
  5. WOW! Und schon sieht man seinen Prozess den man debuggen möchte.
  6. Jetzt nur noch auswählen und Attach

So einfach geht es.
Wenn man die passenden PDB Dateien in Reichweite hat, kann man sofort Breakpoints setzen und am “lebenden Patienten” operieren, als nur “post-mortem” mit Crashdumps zu arbeiten.

Wie man gezielt auch die Projekteinstellungen nutzen kann, habe ich mir für einen späteren Artikel vorgemerkt. ;)

Siehe auch:
How to: Set Up Remote Debugging

ATLC++CRTDebuggingMFCProgrammierenVS-Tipps&TricksWindows APIMartin Richter - Di 04 Nov 2008 20:30

Mancher Bug macht einem nicht den Gefallen und lässt sich in der Debug-Version finden. Ursache ist oft genug eine Variable, die in der Debug-Version initialisiert (0xCC) wird aber in der Release-Version zu einem Crash führt, wenn zufällige Daten auf dem Stack für undefiniertes Verhalten sorgen.

Also macht man sich an das debuggen der Release Version und kann keinen Fehler finden.
Kaum startet man das Programm ohne Debugger dann kracht es wieder. Warum?

Manch einer könnte jetzt denken: Der Debugger verändert das Memory Layout! Das tut er schon, aber entscheidend für ein anderes Verhalten ist der Debug Heap!
Die wenigsten Entwickler wissen überhaupt, dass es ihn gibt. Ich meine hier nicht die Debug Funktionen, die die CRT zur Verfügung stellt, denn mein Thema heute ist ja das Debuggen eines Release-Programms, und die Debug-CRT hat ja bekanntlich in einem Release Programm nichts zu suchen!

Machen wir es praktisch und nehmen wieder mein kleines Crashtest-Programm:

#include <windows.h>
#include <tchar.h>
#include <crtdbg.h>
int _tmain(int argc, _TCHAR* argv[])
{
  char *pCorrupt = new char[100];
  ZeroMemory(pCorrupt,104);
  char *pOther = new char[100];
  ZeroMemory(pOther,100);
  delete [] pOther;
  delete [] pCorrupt;
  return 0;
}

Wenn wir dieses Programm als Release Version kompilieren und ausführen, dann erhalten wir keine Fehlermeldung :!: Interessant. Der Heap ist nicht soweit zerstört, dass es zu einer Zugriffsverletzung kommt. Starten wir aber unser Programm mit dem Debugger, dann wird der so genannte Debug Heap des Systems verwendet, der wie die Debug-CRT Guardbytes setzt und kontrolliert.

Ein weiteres Problem entsteht dadurch, dass der Debug Heap den allokierten Speicher auf feste Werte initialisiert genau wie die Debugversion der CRT. Wenn also nicht initialisierter Speicher genutzt wird, dann ist das Verhalten mit dem Debug-Heap deterministisch, ohne Debug Heap eher zufällig.

Das im Debugger alles etwas anders sein kann ist sogar dokumentiert ;)

Processes that the debugger creates (also known as spawned processes) behave slightly differently than processes that the debugger does not create.
Instead of using the standard heap API, processes that the debugger creates use a special debug heap. On Microsoft Windows XP and later versions of Windows, you can force a spawned process to use the standard heap instead of the debug heap by using the _NO_DEBUG_HEAP environment variable or the -hd command-line option.

In diesem Text steht auch, wie man den Debug-Heap ausschalten kann, mit:

SETX _NO_DEBUG_HEAP 1

Diese Environment-Variable sorgt dafür, dass sich auch bei geladenem Debugger, das Programm so verhält wie ohne Debugger (hoffentlich). Führt man mein Testprogramm nun im Debugger aus, wenn die Environment-Variable _NO_DEBUG_HEAP auf 1 gesetzt ist, erhält man keinen Debug-Break mehr. Denn in diesem Fall gibt es keine Guardbytes, die geprüft werden.
Löscht man den Eintrag _NO_DEBUG_HEAP wieder, dann erhält man im Debugger wieder wie erwartet einen Break.

Will man also wirklich realitätsnah eine Release-Version debuggen, dann kommt man um das Ausschalten des Debug-Heaps nicht herum.

PS: Man kann es auch etwas einfacher haben, wenn man sich nachträglich an den Prozess mit dem Debugger attached (wenn das geht). Ideal ist dieses Verfahren auch beim Remote-Debugging (dazu demnächst mehr).

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